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Werner Finck & Hans Deppe
Die jungen namenlosen Kabarettisten, die sich im Oktober 1929 in Berlin um den gescheiterten Bühnenschauspieler Werner Finck (1902–1978) geschart hatten, sind seit ihrer Premiere Stadtgespräch. Es ist, als sei das alte Brettl wieder erwacht. Auf der kleinen Bühne wenig Aufwand mit viel Effekt, Parodistisches statt Propaganda, Anmut statt Agitation, Literarisches statt Polit-Parteilichkeit. Höhepunkt des Eröffnungsprogramms ist eine Wandervogel-Klamotte, in der Finck und Hans Deppe (1897–1969), in Kniehosen und Leinenrock, sich nach Herzenslust über Rohkostnahrung, Edelmenschentum und das Blaublümelein auslassen. Arnulf Schröder (1903–1960) spielt dazu auf der Laute. Presse wie Publikum sind begeistert von diesem Komödianten-Ensemble, das da abwechselnd mit literarischen Chansons unterhält oder schrammelnd, gaudihüpfend, klampfend und loreleyernd völkischen Turnergeist persifliert, daß die Folklore-Schwarte kracht.
“Im Grunde”, erklärt Finck die erstaunliche Resonanz bei Presse und Publikum, “war unser Ziel, anders zu sein als die andern. Anders als das, was die Berliner gerade satt und gründlich überbekommen hatten: das arrogante, versnobte und sich entsetzlich ernst nehmende Kudamm-Kabarett. Wir aber, in unseren billigen Straßenanzügen und ungeputzten Schuhen, mit dem grünen Lappen, der uns als Vorhang diente, und dem treuherzigen Gebaren waren das Gegenteil. Gerade das schlug unerhört ein. Wir wurden Mode.” Kabarett-Chef Werner Finck ist die Zugnummer der “Katakombe”. Wenn er conferiert, gibt er sich lächelnd-versonnen und schüchtern humorig. Er klopft die Sprache auf mehrdeutigen Tief- und Unsinn ab und verfällt dabei in jenen gekonnt-kultivierten Stotterstil, der Assoziationen freien Lauf läßt und Pointen unausgesprochen und mit Zeitverzögerung zünden läßt. Wenn dann die Lacher kommen, winkt er entschuldigend ab, so als habe er die von ihm sorgfältig kalkulierte Wirkung gar nicht gewollt. – Der erwähnte Liedermacher Robert Kothe, 1901 einer der “Elf Scharfrichter”, hatte sich lautenschlagend inzwischen zu einem bündisch-völkischen Zupfgeigenhansl gemausert.
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