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Extrabreit

Stefan 'Kleinkrieg' Klein (g, voc)
Kai Havaii (voc, key, perc)
Ulrich 'Public Uli' Ruhwedel (g)
Wolfgang 'Hunter' Jäger-Ramig (b)
Rolf Möller (dr)

Sie verspotteten die Polizei, sangen "Maschinenge- 86| genwehr", zündeten die Schule an, besangen den Tod des Präsidenten, ließen auf Partys den Flieger abheben, beschworen die Wonnen der Kleptomanie und die Abgründe des Kokains. Fünf Jungs aus dem Nordrhein-Westfälischen Hagen entdeckten "die Schönheit der 'Drei-Minuten-Gitarren-Hymne' mit rotzig-subversiven Texten" (Extrabreit) und erober- ten bald darauf die deutschsprachigen Charts. Sie nannten sich selbst "die Erfinder des deutschen Pop- Punks" oder "größte deutsche Rock 'n' Roll Kapelle" und waren erfolgreich. Aber die Geschichte der Gruppe Extrabreit ist nicht nur eine Geschichte der großen Erfolge, sondern auch immer wieder die Geschichte des Scheiterns. Sie wurden von Teenagern heiß geliebt, von der Musikkritik als NDW-Spaßkapelle nieder- kategorisiert, von süddeutschen Radiostationen auf den Index gesetzt und von der Punk-Szene als "Abzocker" angefeindet. Extrabreit sahen sich als Punk-Band, die es nur der NDW zu verdanken hatten, daß sie so erfolgreich waren. 1982 – in der Hochphase der Neuen Deutschen Welle – waren sie mit zwei Goldenen Schallplatten die erfolgreichste Band Deutschlands, verschwanden später oft immer wieder in der Versenkung, um genauso oft wieder aufzutauchen.

Gegründet wurde die punk-infizierte Garagen-Rockband aus dem Umfeld der linken Szene 1978 in Hagen. Gründer war der Schaufensterdekorateur Klein, der sich mit Horst-Werner Wiegand (voc) zusammentat, von dem auch der Gruppenname stammte. Außerdem gehörten Ralf 'Rawa' Denz (heute Ralf Hein, b) und Gerhard 'Käptn Horn' Sperling (dr) zur ersten Besetzung, die durch einen Kreis befreundeter Musiker unterstützt wurden, wie z.B. Carlo Karges (g, später Nena). Ihr da- maliger Manager Jörg Anton Hoppe sorgte durch seine frechen und dreisten Strategien dafür, daß die Band bald in die Schlagzeilen kam. Hinzu kamen spektakuläre Auftritte im Vorprogramm von Jango Edwards. |87 Nach dem Ausscheiden von Wiegand wurde Havaii (Kai Oliver Schlasse) verpflichtet, obwohl der bis dahin wenig Erfahrung als Frontmann und Sänger ausweisen konnte. Havaii erwies sich als Glücksgriff, und gemeinsam mit der neuen Besetzung Möller (ex-Staub), Piet Pietsen (g) und Ralf Corleone (b, ex-Ramblers) wurde die Single Hart wie Marmelade aufgenommen. 1980 begann für Extrabreit –mit den Aufnahmen zum Debütalbum – der Aufstieg.

Extrabreit, benannt nach der Werbe- aufschrift eines herumliegenden Edding-Stiftes ("Kappe abschrauben, nachfüllbar, extrabreit"), betitelten ihr Debüt (auf dem Havaii als Kei Havei geführt wurde) selbstironisch 'Ihre größten Erfolge' und lieferten damit eine stimmige Kombination aggressiver Musik mit deutlichen Texten, waren "klotzig und unsensibel. 'Extrabreit' hauten rein, mit zwei Ausnahmen, ganz nach dem Motto 'Status Quo' entläßt ihre Kinder – und der Sänger hat 'ne Stimme, die man wiedererkennt, leider sind seine Texte überflüssig" ('Sounds'). Mit dem Hans-Albers-Klassiker Flieger, grüß mir die Sonne gelang der Band ein erster größerer kommerzieller Erfolg. Trotzdem gab es immer wieder Umbesetzungen und Turbulenzen. Der zwischenzeitliche Gitarrist Carlo Karges verließ die Band ebenso wie Kai Havaii. So standen Extrabreit 1980 kurz vor dem Ende. Aber Kleinkrieg machte weiter, besetzte um, holte Havaii wieder zurück, suchte neue Leute und die Geschichte der Band ging weiter. Das zweite Album 'Welch ein Land! – Was für Männer!' avancierte zum Durch- bruch und war auch gleichzeitig die politischste Platte der Band.

Das wunderbar schleppende Rockstück Polizisten war ein ironisches Traktat aus der Arbeitswelt, ging ebenso in die deutschen Charts wie auch Hurra, hurra, die Schule brennt. "Mit dem fröhlich anarchistischen Schullied massierte die Gruppe wirkungsvoll den Nerv verbreiteter Schulverdrossenheit" ('Frankfurter Rundschau'). Das näch- ste Album – mit 3D-Cover und dazugehöriger 3D-Brille – war mit der neuen Be- setzung Kleinkrieg, Havaii, Möller, Jäger-Ramig (ex-Grobschnitt, ex-Stripes) und Public Uli aufgenommen worden, wurde eine deutsche Top 5 und zog das Debüt erneut in die Charts. Daraufhin waren Extrabreit ständig auf Tournee, füllten 88| selbst die größten Hallen und galten fortan auch als die Bad Boys der NDW, die der 'Bravo' und anderen Teenie-Zeitschriften einige Skandalgeschichten wert war. Dann gingen Extrabreit mit Spliff, Interzone und Prima Klima auf große Deutsch- land-Tournee – präsentiert von einem Jeans-Hersteller. Ein weiterer Höhepunkt war 1982 der Auftritt als "Superhelden" im NDW-Kino-Film 'Gib Gas, ich will Spaß' mit Nena und Markus in den Hauptrollen. Immer noch 1982 wurde das neue "großartig großspurige Album" ('Die Welt') 'Die Rückkehr der phantastischen 5!' veröffentlicht. Die Überraschung war die Single Duo Infernal, auf der Havaii mit der Schlagersängerin Marianne Rosenberg im Duett sang. Das Cover war in fünf unterschiedlichen Farben – plus fünf Einschußlöchern – erhältlich.

Für die Produktion hatte sich die Band den renommierten deutschen Queen-Produzenten (Reinhold) Mack ausgesucht, der die "Kollegen zwischen Soundgebirgen aus Gi- tarren und Tasten bis zu Unkenntlichkeit schrumpfen ließ" ('MusikExpress'). "Bei den deutschen Medien waren Extrabreit wohl die bestgehaßte einheimische Rock- gruppe. Diesen Ruf hatten sich die Sauerländer mit stumpfem Hard-Rock-Pogo und nicht weniger stumpfen Texten, gespickt mit jeder Menge Plattitüden, ver- dient." ('Stereoplay'). Zusätzlich wurde Extrabreit das Abebben der NDW zum Verhängnis. Die Band plante darüber hinaus – zu spät – eine Tournee mit zwei Videogroßbildleinwänden. Der Auf- wand war immens und mehrere Sattelschlepper mußten das Equipment transportieren. Die Kosten explodierten und der Erfolg rechtfertigte die Mühe nicht. Dementsprechend war die 'Deutschland im Handstreich'-Tournee ein finanzieller Reinfall. Nach Ursachenforschung und anschließendem musikalischen Kurswechsel verließen Möller und Ruhwedel die Band und übrig blieb nur das Trio Kleinkrieg, Havaii und Ramig-Jäger.

Es folgte mit dem 83er Album 'Europa' ein Album, das zur Hälfte aus englischsprachigen Titeln bestand, das "älter und reifer klang" ('MusikExpress'), aber von den Anhängern nicht nachvollzogen wurde. Darüber hinaus waren die Pro- duktionskosten – teilweise in London – sehr hoch, und die Verkaufszahlen blieben auch hinter den Erwartungen zurück. Ähnlich verhielt es sich mit dem 84er – wieder halb englisch- sprachigen – Album 'LP der Woche', produziert von Manfred Praeker (Spliff-Bassist) und mit Hansi Berendt (dr, Ideal) und Rolf Brendel (dr, Nena). Aber auch das wurde ein finanzieller Mißerfolg. Nach weiteren sinkenden Verkäufen und bandinternen Querelen experimentierten sie mit weiterem englischsprachigen Alterna- tive-Poprock, bevor sie eine zwei-jährige Kreativpause einlegten. Kleinkrieg veröffentlichte mit 'Nur für Jungs' ein Soloalbum, das er mit Jäger-Ramig, Public Uli, Michael Gaßmann (dr) und Frank Becking (g) aufgenommen hatte und arbeitete sehr viel später am Projekt Mona Liza Overdrive mit.

1990 besannen sich Extrabreit wieder auf alte Stärken und erreichten mit einem Best-Of-Album 'Zurück aus der Zukunft' und einem Remix von Flieger, grüß mir die Sonne wieder die Top Twenty. Es folgten wieder ausverkaufte Tourneen und einige Alben, die neben Hits auch die Duette mit Hildegard Knef (Für mich soll's rote Rosen regnen) und Harald Juhnke (Nichts ist für immer) enthielten. Mit dem 98er Album 'Amen' und einer Abschiedstournee sah es für Extrabreit nach einem endgültigen Ende aus, aber am 31. 90| August 2002 gab es das erste Konzert nach der Wiedervereinigung in Bochum, am 27. August 2005 das 1.000 Konzert der Band in Hagen. Seitdem sind sie beständig auf Tournee und veröffentlichen Alben und Singles. Die aktuelle Besetzung ist Havaii, Kleinkrieg, Möller, Bubi Hönig (g) und Lars 'Larsson' Hartmann (b)...

Burghard Rausch 

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Aus grauer Städte Mauern - Die Neue Deutsche Welle (NDW)

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Die fetten Jahre
EXTRABREIT: Die fetten Jahre Art-Nr.: CDBMG57147

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(1998/ARIOLA) 17 Titel
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